Maria

Ich fuhr in einem Wagen, der nicht meiner war, durch die Nacht, ich fuhr in einem Wagen, den ich mir geliehen hatte, von jemandem den ich nicht kannte, den ich mir geliehen hatte von jemandem, der mich nicht kannte, ich fuhr in einem Leihwagen von jemandem, der keinen Leihwagen hatte, durch die Nacht, und es regnete.

Ich nahm sie mit an einer Raststätte, an der Autobahn, auf die Autobahn nahm ich sie mit, sie hieß Maria, ich fuhr sie in einem Auto, das nicht meins war, und sie wusste es nicht und sie war Maria und ich wusste es.Wir hörten Nat King Cole mit seinem Trio, It’s only a papermoon, da war kein Mond, da waren die Wolken und der Regen und die Autobahn und wir sprachen von den Zeiten, Nat King Cole und sein Trio, Nat King Cole, Oscar Moore an der Gitarre, Johnny Miller am Bass, und sie sagte, als wir von den Zeiten sprachen, die
wir beide nicht kannten und als der Papermoon aus den Lautsprechern verschwunden war und als der Papermoon zwischen den Wolken auftauchte, da sagte sie, dass Johnny Miller doch kein Name wär, und sie kannte meinen Namen, kannte mich nicht, ich kannte ihren Namen, Maria, und kannte sie, denn sie war Maria.

Maria sagte, wo sie hinwollte und wir verließen die Autobahn, in der Nacht, im versiegenden Regen, sie wollte da hin und ich wollte dahin weil Maria dahin wollte.

Ich fuhr von der Straße in der Nacht in den Wald, wo sie hinwollte, und der Regen hatte aufgehört, und sie sagte Lass das, da will ich nicht hin und ich sagte da willst du hin, in den Wald, in der Nacht, der Regen hatte aufgehört in den Wolken und pausierte in den Bäumen, ihren Blättern, Zweigen, Kronen, und der Regen würde bald die letzten Meter zurücklegen, aus den Bäumen, aus den Blättern bis zum Boden und wir würden, und das sagte ich Maria, wir würden den Regen fühlen und die Sterne zwischen den Blättern sehen und da wollte sie hin, Regen, Blätter, Sterne, ich wollte nur da hin, wo sie hin wollte.

Sie sagte nichts und freute sich auf den Waldboden, und ich hielt die Pistole, und der Boden war noch trocken, bald würde es auf ihn regnen, ich fuhr mit einer Hand, er würde bald feucht werden und Schlamm und Blätter würden sich an uns schmiegen, unsere Körper würden sich hineinschmiegen und ich fuhr den Wagen mit einer Hand, den Wagen, den ich mir geliehen hatte von jemandem, den ich nicht kannte und er hatte einen Wagen, der jemand, der mich nicht kannte, einen Wagen mit Automatik, und das fand ich sehr nett, und meine Pistole hatte eine Automatik, und ich hielt die Pistole in der einen Hand und steuerte mit der anderen den Wagen, der nicht meiner war, mit der Automatik, die nicht meine war und hielt die Pistole mit der Automatik, die meine war, und es würde auf uns regnen, erst unsere Körper, dann den Boden, und ich hielt die Pistole und machte das Licht aus, die Scheinwerfer, und ich lenkte den Wagen in den Wald, sie wollte dahin, und der Papermoon schien, deswegen waren die Scheinwerfer aus, und deswegen wollte ich dahin, in den Wald, auf den Boden und der Papermoon schien in den Wagen und Maria sagte nichts, und der Mond schien auf ihr Gesicht, ich sah sie, sie sah mich nicht, trotz des Lichtes, ich sah Maria und sie sah nur das kleine Loch am Ende der Pistole in meiner Hand, Schwarz auf Schwarz, sah nicht mein Gesicht, sah nicht die Automatik, die eine Kugel nach der anderen aus dem kleinen Loch am Ende jagen würde wenn es nötig sei, aber es würde nicht nötig sein, und Maria sagte nichts und hatte keine Angst.

Wir hielten an und stiegen aus und gingen weiter in den Wald unter dem Papermoon und den Blättern auf denen der Regen wartete und blieben stehen und sie zog sich aus. Sie zitterte nicht, sie war nackt und bleich unterm Papermoon und war ganz ruhig und der Papermoon schien nackt und bleich auf die Blätter, schien auf Maria, und die Blätter bogen sich unter dem Gewicht des Wasser und schwere Tropfen fielen von ihnen und schlugen mit leisem Platsch, hundert leise Platsch, auf Marias Körper, bleiche Haut und bleiche Tropfen, und sie waren wie Bergkristall, blass und bleich, Zigarettenasche und Bergkristall, bleich und funkelnd, und schwere Tropfen fielen von den Blättern, die sich bogen unter dem Gewicht, und sie fielen auf den trockenen Boden, machten kein Platsch, und der Boden war weich und trocken und wurde dunkel von den Tropfen, und sie zitterte nicht, mit Tropfen wie Asche vom Bergkristall auf der Haut, und ich zitterte nicht, und die Blätter bogen sich, und die Tropfen fielen, und es regnete erst auf uns und dann auf den Boden.

Wir erkannten uns, und ich erkannte sie, und sie erkannte mich, sie war unbefleckt, und ich erkannte Maria, ich stieß mein Fleisch in ihr Fleisch, und die Tropfen von den Blättern, die dicken, schweren, schlugen auf mich ein, 100 Platsch, und ich schirmte sie ab, sie war Maria, stieß mein Fleisch in ihr Fleisch, und der Boden, der trockene Waldboden färbte sich unter ihr, unter den Tropfen dunkel, und sie war unbefleckt, bleiches, nacktes Fleisch mit Tropfen wie Asche vom Bergkristall.

Sie zitterte nicht und ich fragte Was sind die beiden größten Lügen, und sie hatte keine Angst und sagte nichts, und ich sagte Nie, und ich sagte Für immer, und sie war Maria und der Papermoon schien, und sie war unbefleckt.

Ich stieß meinen Stahl in ihr Fleisch. Ich trank ihr Blut. Es wurde kein Wein. Ich aß ihr Fleisch. Es wurde kein Brot. Eine Verwandlung fand nicht statt. Sie hieß Maria. Eine Himmelfahrt fand nicht statt. Sie blieb liegen, auf dem dunklen Waldboden, mit den Tropfen wie Asche vom Bergkristall auf ihrer bleichen, nackten Haut.

Nie. Immer. Maria.



 

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